Wissenswertes zum Pflichtteilsrecht

Viele wissen, dass es im deutschen Erbrecht einen sogenannten Pflichtteil gibt. Was man genau darunter versteht und welchen Personen dieser Pflichtteil zusteht, ist jedoch oft nicht bekannt.

Entstehung

Es gibt zwei Möglichkeiten der Erbfolge: die testamentarische und die gesetzliche Erbfolge. Wenn ein Mensch stirbt und zu Lebzeiten ein wirksames Testament verfasst hat, tritt testamentarische Erbfolge ein, d. h. das Vermögen des Verstorbenen geht auf die Personen über, die er im Testament als Erben bestimmt hat. In mehr als 80 % der Todesfälle liegt jedoch kein Testament vor. Für diese Fälle ist im Bürgerlichen Gesetzbuch genau geregelt, wer zu welchem Anteil Erbe wird. Zu den Einzelfragen der gesetzlichen Erbfolge kann man sich bei jedem, auf Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen. Ist tatsächlich ein Todesfall in der Verwandtschaft eingetreten, werden die Kosten einer solchen Erstberatung auch von jeder Privat – bzw. Familienrechtsschutzversicherung übernommen.

Ein Pflichtteilsrecht kann nur entstehen, wenn testamentarische Erbfolge vorliegt. In den zahlreichen Todesfällen, in denen kein Testament vorhanden ist, kann es keinen Pflichtteilsanspruch geben.

Pflichtteilsberechtigte

Pflichtteilsberechtigt sind nur die nächsten Angehörigen des Verstorbenen, nämlich seine Kinder und Kindeskinder, sein Ehepartner und seine Eltern. Seit dem 01.08.01 steht auch dem eingetragenen Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz theoretisch ein Pflichtteilsanspruch zu.

Praktisch kann bei all diesen Pflichtteilsberechtigten ein Pflichtteilsanspruch aber nur dann entstehen, wenn erstens ein Testament des Verstorbenen vorliegt und zweitens einer dieser theoretisch Pflichtteilsberechtigten in diesem Testament nicht als Erbe eingesetzt wurde.

Häufig ist der Fall, dass ein Ehepartner seine Ehefrau und die Kinder aus dieser Verbindung in seinem Testament als Erben einsetzt, nicht aber das nichteheliche Kind, zu dem er seit langem keinen Kontakt mehr hat. Dieses nichteheliche Kind hat dann gegenüber den Erben einen Pflichtteilsanspruch.

Umfang

Der Pflichtteilsanspruch beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Verjährung

Ein Pflichtteilsberechtigter, wie im Beispiel das nichteheliche Kind, sollte nicht ewig warten, wenn er seinen Anspruch gegenüber den Erben geltend machen will. Mit dem Tag, in dem der Pflichtteilsberechtigte von dem Tod des Erblassers und von dem Testament erfährt, beginnt eine dreijährige Verjährungsfrist zu laufen. Wird der Anspruch nicht innerhalb dieser Frist gerichtlich geltendgemacht, verjährt er.

Birgit Heinrich

Rechtsanwältin in der Kanzlei Köhne – Heinrich – Fiedler

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