Aufklärungspflicht von Banken bei Kapitalanlagegeschäften

Neues Urteil des BGH stärkt die Rechte schlecht beratener Kunden bei der Vermittlung von Fondsanteilen und Wertpapiergeschäften

In der vorgelegten Entscheidung hatten die Richter zu entscheiden, unter welchen Umständen die Bank bei der Beratung zum Verkauf von Fondsanteilen mitteilen muss, ob und in welcher Höhe sie Rückvergütungen aus Ausgabeaufschlägen und Verwaltungskosten von der Fondsgesellschaft erhält.

Geklagt hatte ein Anleger, der sich falsch beraten fühlte und hohe Kursverluste aus den Kapitalanlagen verbuchte. Im Verfahren machte er geltend, die Bank habe vorsätzlich die Rückvergütungen aus den Fonds verschwiegen, die immerhin 1 bzw. 2,5 % der Investitionssumme ausmachten. Hätte er nämlich gewusst, dass die Bank ein eigenes finanzielles Interesse an der Beteiligung des vorgeschlagenen Fonds gehabt hat, dann wäre er dem Vorschlag der Bank nicht gefolgt.

Der BGH stellte sich nun auf die Seite des Anlegers und machte deutlich, dass die Bank, die Fondsanteile empfiehlt, auch darauf hinweisen muss, dass sie aus dem abzuschließenden Geschäft ein eigenes Umsatzinteresse verfolgt. Denn wenn die Bank einem Kunden Anlageempfehlungen abgibt und dabei an dem empfohlenen Fonds durch Rückvergütungen verdient, sind die Kundeninteressen durch die von der Bank erhaltenen Rückvergütungen gefährdet.

Potenzielle Anleger sollten sich daher gezielt nach den Eigeninteressen der Bank erkundigen, um schon vorab die Anlageempfehlung kritisch zu hinterfragen. Kunden, die nachträglich feststellen mussten ihr Geld falsch angelegt zu haben, hilft dann meistens nur noch der Weg vor Gericht.

Aber auch den Anlegern, denen von selbständigen oder selbst ernannten Anlagespezialisten zu einer Kapitalanlage geraten wird, ist zu empfehlen, den Vermittler nach der an ihn zu zahlenden Provision zu hinterfragen. Oftmals wird schon dann ersichtlich, das längst nicht jeder Euro angelegt wird, der tatsächlich auch investiert wird. Denn welcher Anleger weiß schon, wie viel von 100 monatlich eingezahlter privater Altersversorgung auch tatsächlich im Fonds angelangt?

Paul Köhne, Cottbus, 18.03.2007

Rechtsanwalt in der Kanzlei Köhne – Heinrich – Fiedler

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